Stellungnahme zu den aktuellen Entwicklungen rund um die Cafe Bar „Mokka“ Thun.

Es war absehbar: Mit dem Bau von neuen teuren Wohnungen im Selve wurden gut betuchte AnwohnerInnen angelockt und schon schneite die erste Lärmklage gegen das Mokka herein. Der Winterschlaf beginnt heuer also ausgerechnet am heissesten Wochendende des Jahres und nun bläst ein eisiger Wind durch Thun. Das Statthalteramt reagiert mit starrem Befolgen der Nachtruhe-Bestimmungen und lässt somit das Summerdance verwelken. 17 Jahre wurde die Musik im Mokkagarten nicht nur informell toleriert, sondern die Stadt zeigte sich stets Stolz auf das Mokka-Kulturprogramm, dessen wichtiger Bestandteil das Summerdance ist.

Wir verurteilen diese kurzsichtige, kulturfeindliche und überstürzte Reaktion. Das Mokka ist eines der letzten Lokale in Thun, welches ein gegen die Vereinnahmung des Mainstreams gerichtetes und vielseitiges Programm anbietet.

Wie lange wird das Mokka unter diesen Bedingungen und zukünftigen Entwicklungen (Puls Thun) bestehen können? Das Konfliktpotenzial wird sich weiter erhöhen. Schneidet die kommende Überbauung auf dem Gerberareal, dem blutenden Mokkaherz  definitiv den Puls ab?

Wir sehen diese Entwicklung in einem grösseren Kontext: Die Stadt Thun bevorzugt in ihrer Stadtplanung finanziell besser betuchte SteuerzahlerInnen und Firmen. Anstelle die Bedürfnisse der breiten Öffentlichkeit zu vertreten, werden zentrale Flächen wie das Selve- oder das Gerber-Areal zugunsten ökonomischer Interessen geopfert. Soziale Treffpunkte, individuelle Kulturplätze und alternative Freiräume werden in der Entwicklung der Stadt nicht berücksichtigt.

Diesbezüglich lassen sich in Thun mehrere Phänomene beobachten: Wegweisungen von unerwünschten Personen aus der Innenstadt, die Schliessung des Lokals „The Rock“, Überwachungskameras und nun die aktuellen Einschränkungsmassnahmen gegenüber des Mokka.

Solche Vorkommnisse sind nicht nur in Thun aktuell: Viele Kulturbetriebe in anderen Städten sehen sich mit ähnlichen Tendenzen konfrontiert. Die Interessen wohlhabender Menschen werden den Bedürfnissen einer breiteren Schicht der Gesellschaft vorgezogen.

Wir sollten aufhören diese Angriffe auf die Kultur als vereinzelte, stadtbezogene Probleme anzuschauen. Es ist das Problem aller. Wer nicht nach den geltenden Normen funktioniert, wer nicht genügend wirtschaftliche Mittel zur Verfügung hat, wird das Leben erschwert.

In diesem Sinne sprechen wir unser solidarisches Mitgefühl gegenüber den BetreiberInnen des Mokka aus und fordern die Stadtregierung und den Regierungsstatthalter auf, eine Lösung im Sinne der kulturellen Vielfältigkeit und der Weiterexistenz des Mokka zu finden.

Der Zeiger der Kultuhr steht auf fünf vor zwölf!

Bis bald und liebe Grüsse

ihr

Kollektiv A-Perron

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